Lernkompetenz: Die nicht zu unterschätzende Zukunftskompetenz für Organisationen
Warum ist lernorientierte Führung der Schlüssel für eine zukunftsfähige Organisationen?
In der Begleitung von Organisationen und Führungsteams stellen wir fest: Wenn wir über Transformation, Innovation oder neue Strategien sprechen, fehlt es selten an Wissen. Die meisten Führungskräfte wissen sehr genau, was sich verändern müsste. Sie kennen neue Arbeitsweisen, haben Studien gelesen, Impulse aus Vorträgen und Konferenzen mitgenommen oder bereits erfolgreiche Beispiele aus anderen Organisationen gesehen. Und trotzdem bleibt Veränderung oft hinter den Erwartungen zurück. Wir können sehen: Organisationen haben in der Regel kein Wissensproblem. Sie haben ein Umsetzungsproblem.
Organisationen haben selten ein Wissensproblem.
Sie haben ein Umsetzungs- und damit ein Lernproblem.

Dabei verändert sich unser Umgang mit Wissen gerade grundlegend. Noch nie zuvor war Wissen so leicht zugänglich wie heute. Informationen sind jederzeit verfügbar, nahezu überall abrufbar und in inzwischen schier unüberschaubarer Menge vorhanden. Was heißt das für Lernen und Entwicklung? Statt um den Besitz von Wissen geht es nun vorranging um den langfristigen und zielführenden Umgang damit. Die entscheidende Kompetenz unserer Zeit ist nicht mehr, Informationen zu speichern oder weiterzugeben. Entscheidend wird die Fähigkeit, Wissen zu verstehen, einzuordnen, anzuwenden und in Handlungsfähigkeit zu übersetzen.
Von der Wissensvermittlung zur Lernbegleitung
Diese Perspektive wird derzeit besonders intensiv im Bildungskontext diskutiert. In der Transformation von Schule und Bildung geht es zunehmend um einen grundlegenden Rollenwechsel: weg von der klassischen Wissensvermittlung, hin zur
Lernbegleitung.
Die Idee dahinter ist einfach und zugleich weitreichend: Wenn Wissen überall verfügbar ist, besteht die Aufgabe von Bildung nicht mehr primär darin, Inhalte zu vermitteln. Entscheidend ist es, Lernen zu begleiten, das heißt Menschen zu befähigen,
- neue Informationen einzuordnen
- eigene Lernwege zu entwickeln
- Lernziele zu definieren und zu erreichen
- Unsicherheit auszuhalten
- Wissen in Kompetenzen zu übersetzen
- und ihren eigenen Lernprozess zu reflektieren.
Der Stifterverband beschreibt diese Fähigkeit in seinem Future Skills Framework treffend als Lernkompetenz, eine grundlegende Zukunftskompetenz. Gemeint ist damit die Fähigkeit, kontinuierlich Neues zu entwickeln, Wissen zu integrieren und sich in einer sich wandelnden Welt immer wieder neu anzupassen.
Wenn Wissen überall verfügbar ist, wird Lernen zur entscheidenden Kompetenz.
Transformation ist ein Lernprozess
Diese Perspektive betrifft nicht nur Schulen oder Hochschulen. Sie betrifft in gleicher Weise alle Organisationen.
Organisationen bewegen sich heute in einem Umfeld, das von zunehmender Komplexität und Dynamik geprägt ist. Märkte verändern sich, Technologien entwickeln sich weiter, gesellschaftliche Erwartungen wandeln sich. Anpassung wird damit zu einer zentralen Voraussetzung für Zukunftsfähigkeit.
Jede Transformation einer Organisation ist letztlich ein Lernprozess. Menschen entwickeln neue Kompetenzen, erproben neue Arbeitsweisen, verändern Denkmodelle und entwickeln neue Lösungen für neue Herausforderungen.
Die Rolle von Führung verändert sich
Wenn Lernen der Kern von Anpassungsfähigkeit ist, dann wird die Begleitung von Lernen zu einer zentralen Führungsaufgabe. Führung bedeutet in diesem Kontext nicht mehr primär, Arbeit zu organisieren oder Ergebnisse zu kontrollieren. Eine zentrale Aufgabe von Führung besteht vielmehr darin, Rahmenbedingungen für Lernen zu schaffen. Dabei geht es nicht darum, dass jede Führungskraft persönlich zur Lernbegleiterin oder zum Lernbegleiter jedes einzelnen Mitarbeitenden wird. Vielmehr besteht die Aufgabe von Führung darin, die strukturellen und kulturellen Voraussetzungen zu gestalten, unter denen Lernen möglich wird.
Strukturen, Prozesse und Kultur des Lernens
Dazu gehört zunächst der Aufbau geeigneter Strukturen. Organisationen brauchen Räume für Austausch, Reflexion und Entwicklung. Projektbasierte Arbeitsformen können dabei eine wichtige Rolle spielen, weil sie Lernen direkt mit realen Herausforderungen verbinden. Lernen wird so nicht zu einer zusätzlichen Belastung neben der Arbeit, sondern zu einem integralen Bestandteil der Arbeit selbst. Projekte werden zu Lernräumen, in denen neues Wissen entsteht, Kompetenzen aufgebaut werden und Erfahrungen reflektiert werden. Darüber hinaus braucht es klare Prozesse, die Lernen unterstützen. Feedbackformate, Retrospektiven oder regelmäßige Reflexionsräume ermöglichen es Teams und der/dem Einzelnen, Erfahrungen auszuwerten und daraus neues Wissen zu entwickeln. Ebenso entscheidend ist die kulturelle Dimension. Eine lernorientierte Organisation braucht eine Kultur, in der Nichtwissen nicht als Schwäche gilt, sondern als Ausgangspunkt für Entwicklung. Fehler müssen als Lernquelle verstanden werden.
Die Zukunftsfähigkeit einer Organisation steht in direktem Zusammenhang mit ihrer Fähigkeit, Lernen zu ermöglichen.
Eine Perspektive über Organisationen hinaus
Organisationen, die diese Perspektive ernst nehmen, entwickeln sich zu
lernenden Organisationen. In ihnen wird Lernen nicht als gelegentliche Weiterbildungsmaßnahme verstanden, sondern als kontinuierlicher Bestandteil der täglichen Arbeit und der organisationalen Entwicklung. Doch die Bedeutung dieser Entwicklung reicht über Organisationen hinaus. In einer Welt, die sich immer schneller verändert, wird die Fähigkeit zu lernen nicht nur für Unternehmen, sondern für ganze Gesellschaften zu einer zentralen Voraussetzung für Zukunftsfähigkeit. Die Bewegung von der Wissensvermittlung zur Lernbegleitung ist deshalb mehr als eine pädagogische Veränderung. Sie ist ein zentraler Schritt auf dem Weg zu einer
lernenden Gesellschaft.
Wir begleiten Euch mit Entwicklungsprozessen sowie Führungskräftetraining und -begleitung!








